BERICHTE

BETROFFENE ERZÄHLEN


„Meine Betreuerin ist für mich da. Sie ist der einzige Mensch, dem ich vertrauen kann. Sie nimmt mich ernst, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung sind“.

„Es ist schön, wenn sie kommt. Ich kann mit ihr einfach reden. Das kann ich so mit niemandem. Sie ist mir nicht böse, wenn ich einmal abends anrufe und ihr etwas erzählen will“.

„Ich warte schon  die ganze Woche auf Mittwochnachmittag, wenn mich meine Betreuerin besucht.  Wir reden nicht viel über meine Probleme, sondern erleben etwas zusammen. Diese Ablenkung tut gut“.

„Die Misch Biller Stiftung ist vielfältig und beliebt. Sie hat gutes Personal. Das Personal ist professionell und passt sich jeder Situation gut an. Es ist schön, dass die Stiftung für alle offen ist und jeder diese Begleitung in Anspruch nehmen kann.“

MITARBEITER BERICHTEN

 Mitarbeiter der Misch Biller Stiftung berichten

Seit knapp zwei Jahren begleite ich Frau A. Sie leidet seit dem Tod ihres Mannes, vor

über zehn Jahren, unter Einsamkeit und psychischen Problemen.

Da sie in ihrer Vergangenheit viel Zurückweisung und Enttäuschungen durch andere

Menschen erlebt hatte, war sie mir gegenüber anfangs sehr misstrauisch und

manchmal auch aggressiv.

Ich merkte, dass ich ihr Vertrauen nur mit viel Geduld

und Verständnis für ihre Situation gewinnen konnte.

Frau A. ist sehr unternehmensfreudig, und bei unseren wöchentlichen Treffen

unternehmen wir jeweils kleinere Ausflüge in der Umgebung von Zürich.

Mit ihrem Mann ist Frau A. früher viel gereist, und von diesen Erlebnissen erzählt sie

mir sehr gerne. Sie ist auch dankbar dafür, dass sie sich mit mir über alltägliche

Probleme austauschen kann und beraten darf.

Sie weiss mittlerweile, dass sie mir Vertrauen kann, und dass sie bei unseren Treffen

sich selbst sein und auch Emotionen zeigen darf.

Bei unseren Ausflügen, entdecken wir auch gemeinsame Interessen, wie die Freude an

der Natur und die Faszination der Tierwelt, und fotografieren schöne

Blumen, Bäume und Vögel. Mit den ausgedruckten Fotos gestaltet Frau A

farbige Grusskarten und Geschenke. Diese Erlebnisse und Gespräche helfen Frau A

dabei, im Alltag wieder Lebensqualität und Freude zu entdecken.

Für mich als Begleiterin ist es wichtig, dass Frau A. sich auf unsere Treffen freuen

kann. Ihre Probleme lassen sich nicht wegzaubern. Aber meine Aufgabe als

Betreuerin der Misch Biller Stiftung ist es, für sie da zu sein, in ihrer jetzigen

Situation, sie ernst zu nehmen und sie in ihrer Lebensbewältigung zu unterstützen.

 

Zürich. Oktober 2021, Efrat Guggenheim

Bericht von N.D

In meiner 10-jährigen Tätigkeit als Betreuerin in der Misch Biller Stiftung habe ich schon mehrere Personen in Lebenskrisen begleiten können.

Krisen kommen ungefragt und setzen den Betroffenen vor schier unlösbare Probleme. Auslöser für solche Situationen können Arbeitsplatzverlust, Tod einer nahestehenden Person, Krise in der Familie oder Trennung / Scheidung und auch Erhalt einer schwerwiegenden Diagnose sein.

Vor einigen Jahren wurde mir eine Frau zugeteilt, die aufgrund einer Erschöpfungsdepression in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung war. Sie kämpfte schon seit einiger Zeit mit Schlafstörungen. Seit dem Verlust ihrer Partnerschaft isolierte sie sich weitgehend und legte ihren Lebensschwerpunkt auf die Arbeit, die ihr sehr viel Spass machte. Nach einem Positionswechsel in der Firma rutschte sie immer mehr in eine Überforderungssituation und somit in eine Erschöpfung, die sie zuerst dazu zwang, sich krank schreiben zu lassen. Nachdem sie sich zu nichts mehr motivieren konnte und sich mit Suizidgedanken quälte, empfahl ihr Psychiater einen stationären Aufenthalt.

Ich lernte Frau B. nach ihrem Spitalaufenthalt kennen. Sie war eine sehr kontaktfreudige Persönlichkeit, die mir von ihrem Alltag und den damit verbundenen Schwierigkeiten berichtete. Nach dem Klinikaufenthalt verlief alles anders, als sie dachte. Es fiel ihr schwer, eine Tagesstruktur aufzubauen, da sie immer wieder sehr erschöpft war und die damit verbundenen Blockaden zu Konzentrationsschwäche führten. Sie hatte Angst, dass sie sich wieder in einer Abwärtsspirale befindet und somit die Kontrolle über ihr Leben verlieren würde. Wir schauten in einem ersten Gespräch gemeinsam an, in welchem Bereich sie jetzt von mir Unterstützung brauchte. Dabei war es von grosser Wichtigkeit, im Gespräch ständig präsent zu sein und herauszufinden, was mir das Gegenüber auch nonverbal sagen möchte. Wir vereinbarten zusammen, dasssie sich ein Ziel pro Tag setzt, um sich nicht zu sehr zu überfordern. Das pünktliche Aufstehen am morgen mit dem Wissen, eine Aufgabe zu haben, verhalfen ihr zu einem grösseren Selbstwertgefühl. Ich versuchte mir immer genügend Zeit für sie zu nehmen und mich in ihre Situation hineinzuversetzen. Dies schätzte sie sehr, da sie nur wenige Ansprechpersonen hatte. Ausserdem unterstützte ich sie bei Telefonaten mit den Ämtern oder der Arbeitsvermittlung. Da viel Administratives und auch Dinge im Haushalt während ihres Spitalaufenthaltes liegen geblieben war, versuchten wir etwas Struktur und Ordnung in ihre Unterlagen wie auch in persönlichen Dingen zu bringen. Wir räumten ihren Kleiderschrank auf und erstellten ein neues System für ihre Zahlungen. Wir vereinbarten auch, dass sie sich bei wieder auftretenden Suizidgedankenjeweils an ihren Psychiater oder an mich wenden kann.

Während den darauffolgenden Treffen sprach ich sie immer wieder darauf an, was ihr denn guttun würde. Es war für sie sehr schwer, dies herauszufinden. Es fiel ihr ein, dass sie vor einiger Zeit regelmässig schwimmen ging. Dies könnte sie wieder einmal ausprobieren. Frau B. fühlte sich eher unter Druck, da sie ihre Prioritätenliste gerne schnell abarbeiten wollte und leistungsorientiert war. Darunter fielen z.B.administrative Angelegenheiten und die erneute Jobsuche. Ich versuchte ihr im Gespräch immer wiederklarzumachen, dass sie sich Ruhezeiten einplanen sollte.

 

Das Spazierengehen und Musikhören halfen ihr, sich etwas zu entspannen. Durch die regelmässigen Besuche bei ihrem Psychiater und meiner Unterstützung erreichte sie bald wieder eine Stabilität.

Nach einiger Zeit hatte Frau B. ihre Selbständigkeit fast wieder erreicht. Die Abstände zwischen unseren Terminen wurden grösser. Frau B. schaffte es, ihren Alltag alleine zu bewältigen und brauchte meine Unterstützung nach einiger Zeit nicht mehr. Für mich war es sehr erfreulich, dies zu sehen. Ichverabschiedete mich von ihr mit einem zufriedenen und dankbaren Gefühl. Zum Schluss betonte ich ihrgegenüber nochmals, dass sie sich bei Bedarf jederzeit wieder bei mir melden könnte.

 

 

Zürich, Dezember 2021